Institut für Zellbiologie, Histologie und Embryologie

Medizinische Universität Graz

Teratologische Sprechstunde

 

„Teratologische Sprechstunde“ - embryonaltoxikologische Risikoberatung bei Medikamenteneinnahmen, Drogeneinnahmen, oder Schadstoffexpositionen in Schwangerschaft und Stillzeit.  

 

Die Institute für Humangenetik und Zellbiologie, Histologie und Embryologie haben einen gemeinsamen Beratungs- und Forschungsschwerpunkt zum Thema „Humane Teratogene“, schädliche exogen Einflüsse auf die vorgeburtliche Entwicklung, eingerichtet. Zusätzlich wurde die Zusammenarbeit mit der Gebärambulanz der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in dieser Angelegenheit intensiviert. Ziel ist es, das in Expertenkreisen vorhandene Wissen über exogene Einflüsse auf die Embryonal- und Fetalentwicklung, sowie auf die Säuglingsentwicklung im Rahmen einer „Teratologischen Beratung“ direkt an Ratsuchende, aber auch an die behandelnden ärztlichen KollegInnen, zu vermitteln,  

 

  • zur Risikoabschätzung nach erfolgter Medikamenten-, Drogen-, oder Strahlenexposition,
  • sowie Umwelt- und Arbeitsplatz- Schadstoffeinwirkung in der Schwangerschaft sowie zur Pharmakotherapie- Planung vor der Schwangerschaft, aber auch in der Stillzeit.  

 

Dafür werden, als Basis für eine individuelle Risikoberatung, detaillierte Informationen zur Exposition und eine genetische Familienanamnese (der Ratsuchenden und deren PartnerIn) erhoben.  

 

Die enge Kooperation mit dem renommierten Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Institut für Reproduktionstoxikologie der St. Elisabeth- Stiftung in Ravensburg, sowie das Engagement in den Netzwerken ENTIS (European Network of Teratology Information Services) und OTIS (Organisation of Teratology Information Specialists) gewährleistet bei Bedarf die Einbindung internationaler ExpertInnen und damit eine Teratologische Beratung auf aktuellstem Stand der Wissenschaft.

Parallel dazu wird die Beratungstätigkeit genutzt, um im Sinne des ENTIS Netzwerkes aus den, für die klinische Teratologie besonders wertvollen, Expositionen wissenschaftlich verwertbare Datensätze zu generieren. Diese Form einer quasi prospektiven Datenerfassung ermöglicht systematische Multicenter- Studien auch zu seltenen Exposition und deren etwaigen teratogenen (fruchtschädigenden) Effekten und trägt zur schwierigen „post marketing surveillance“ von Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit bei.

 

Wir können in der direkten Teratologischen Beratung, bei Überweisung an das Institut für Humangenetik, auch auf schwierige psycho-soziale Situationen der Ratsuchenden eingehen und sicherstellen, dass durch eine „nicht direktive“ Teratologische Beratung eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage bei den Ratsuchenden geschaffen wird. Das ermöglicht diesen, auf einer rationalen Basis, im Sinne des „informed consent,“ z.B. über eine weitere Medikamenteneinnahme in der Schwangerschaft bzw. ein Fortsetzen der Schwangerschaft (wenn z.B. ein Schwangerschaftsabbruch im Rahmen der Fristenlösung im Raum steht) zu entscheiden. In der Mehrzahl der Fälle können schwerwiegende, häufig im Zusammenhang mit Medikamenten-, Schadstoff-  oder Strahlenexposition in der Schwangerschaft aufgetretene, Sorgen und Ängste abgebaut und relativiert werden, und damit ein entscheidender Beitrag zum Wohlbefinden der Schwangeren geleistet werden. Außerdem werden die Möglichkeiten, Grenzen und Risiken pränataldiagnostischer Verfahren in diesem Rahmen ebenso erläutert.

 

Die Beratung erfolgt hauptsächlich durch einen Facharzt für Histologie und Embryologie, mit zusätzlicher Spezialausbildung im Bereich Teratologie und Zusatzfach Humangenetik, sowie gelegentlich durch Fachärzte für Medizinische Genetik.

 

Aus wissenschaftlicher Sicht werden nach Möglichkeit  „follow up“ Daten erhoben. Die Anfragenden werden dafür beim Beratungsgespräch gefragt, ob sie ihre teratologisch relevanten Daten für die Erweiterung des teratologischen Wissens, in anonymisierter Form, zur Verfügung zu stellen würden. Bei vorhandenem Einverständnis treten wir etwa 8 Wochen nach errechnetem Geburtstermin mit den Beratenen nochmals telefonisch in Kontakt, um Informationen zum weiteren Schwangerschaftsverlauf, zur Geburt und zum Gesundheitszustand des Kindes und der Mutter zu erheben.

Der damit abgeschlossene Beratungsfall wird in unserer Datenbank erfasst, und bei Bedarf in anonymisierter Form für prospektive Studien genutzt bzw. zur Verfügung gestellt. Die Anomalierate bei exponierten Schwangeren wird mit einer Kontrollgruppe verglichen, die bekannt nichtteratogenen Expositionen ausgesetzt war, und sich diesbezüglich beraten hat lassen. Dieses Studiendesign liefert speziell für die klinisch teratologische Beratung wichtige Daten zur humanen Exposition, da eine Vielzahl von Auswirkungen untersucht werden kann, und für den Einzelfall relevante Risiken erkannt oder ausgeschlossen werden können. Damit wird das teilweise noch sehr rare, und primär nur tierexperimentell vorhandene, Wissen über die Auswirkung v.a. von neuen Medikamenten, aber auch Drogen oder Schadstoffen, auf die Schwangerschaft stetig um humane Daten erweitert und die Beratungsqualität dadurch sukzessive verbessert.

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