Lehrstuhl für Zellbiologie, Histologie und Embryologie

Medizinische Universität Graz

Einfluss adhärenter Blutplättchen auf den Zottentrophoblast

Mütterliche Blutplättchen, die an der Zottenoberfläche der Plazenta adhärieren, werden bei mikroskopischen Routineuntersuchungen aufgrund ihrer kleinen Größe und des fehlenden Zellkerns häufig außer Acht gelassen. Dennoch stellen adhärente mütterliche Blutplättchen eine unterschätzte Quelle für regulierende Faktoren dar, die Trophoblastzellen der Plazenta und deren Interaktion mit zirkulierenden mütterlichen Blutzellen beeinflussen können. Wir konnten vor kurzem mütterliche Blutplättchen auf der Zottenoberfläche im Plazentagewebe des ersten Schwangerschaftsdrittels nachweisen, was darauf hinweist dass die Anlagerung mütterlicher Blutplättchen an Plazentazotten ein durchaus normaler Prozess selbst in frühen Phasen der Schwangerschaft ist. Darüber hinaus zeigten unsere bisherigen Untersuchungen an Plazentagewebe und deren freigesetzten Moleküle beachtliche Konzentrationen an Plättchenfaktoren. Auf diese vorläufigen Beobachtungen basierend, soll in diesem Projekt die Hypothese getestet werden ob der relative Anteil an adhärenten mütterlichen Blutplättchen an der Zottenoberfläche der Plazenta über den Verlauf der Schwangerschaft ansteigt und ob dies mit dem Ausmaß an Zottenfibrinoid, das proteinöse Ablagerungen an der Zottenoberläche darstellt, korreliert. In diesem Zusammenhang soll dieses Projekt auch Daten über die Häufigkeit adhärenter mütterlicher Blutplättchen im Plazentagewebe von Präeklampsie-Schwangerschaften, die durch Bluthochdruck und Eiweiß im Urin charakterisiert werden, liefern. Zu diesem Zweck sollen Blutplättchen und Fibrinoidablagerungen in Plazentagewebe von Gesunden und Präeklampsiepatientinnen mittels Nachweis spezifischer Marker detektiert werden. Da freigesetzte Plättchenfaktoren vielfältige Effekte auf diverse Zelltypen haben, soll dieses Projekt ermitteln ob Plättchenfaktoren die Zellteilung, Differenzierung und Hormonsekretion von Trophoblastzellen beeinflussen, und ob mütterliche Immunzellen, die die Plazenta passieren, durch freigesetzte Plättchenfaktoren aktiviert werden. Zu diesem Zweck sollen Trophoblastzellen und Plazentagewebe, sowie mütterliche Blutzellen mit Plättchenfaktoren kultiviert werden. Eine erhöhte Freisetzung von Plättchenfaktoren und die Aktivierung von zirkulierenden mütterlichen Blutzellen könnten ungünstige Auswirkungen auf den Zottentrophoblast haben und zu einem entzündungsfördernden Milieu in der Plazenta führen. Entzündungsfördernde Bedingungen beeinflussen frühe Plazentafunktionen und das Wachstum in der Frühschwangerschaft lange bevor sich klinische Veränderungen abzeichnen. Die Rolle von adhärenten mütterlichen Blutplättchen auf Zottentrophoblastzellen wurde bisher jedoch nicht untersucht und stellt eine wissenschaftliche Innovation dar. Aus diesem Grund können Ergebnisse von diesem Projekt neue mechanistische und therapeutische Ansätze für Schwangerschaftspathologien, die mit erhöhten adhärenten Blutplättchen an Plazentazotten einhergehen, eröffnen. 

Projektdauer

2017-2020

Fördergeber

FWF

Kooperationspartner

  • Dr. Florian Herse, Charite Campus Buch, Berlin
  • Prof. Babbette LaMarca, University of Mississippi Medical Center, Jackson, MS, USA
  • TEXT
  • TEXT
  • TEXT
  • TEXT